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Vom Salz zur Spitzenforschung: Spreestadt Charlottenburg

Was zeichnet die Spreestadt Charlottenburg aus? Eine ganze Menge. Das Gebiet zwischen Salzufer, Helmholtzstraße und Spree gehört zu den vielseitigsten Wirtschafts- und Gewerbestandorten Berlins. Hier treffen traditionsreiche Produktionsstätten auf renommierte Bildungs- und Forschungseinrichtungen, denkmalgeschützte Industriearchitektur auf modernes Unternehmertum sowie urbane Dynamik auf attraktive Wasserlagen mit hoher Aufenthaltsqualität. 

Die Mischung ist ungewöhnlich. Sie lebt weniger vom klassischen Kiezgefühl als von Wissen, Innovationskraft und hochwertigen Flächen für Unternehmen, Gewerbetreibende und Institutionen, die einen Standort im Herzen der Hauptstadt suchen.

Foto: © GSG Berlin GmbH | Urheber: Amadé Hölzinger

Welche Rolle spielt die Industriegeschichte bis heute?

Die Wurzeln der Spreestadt reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück. Mit der Industrialisierung entwickelte sich das Gebiet entlang von Spree und Landwehrkanal zu einem wichtigen Produktionsstandort Berlins. Fabriken, Lagerhäuser und Werkstätten nutzten die Wasserwege als zentrale Transportachsen für Rohstoffe und Waren. 

Das Salzufer verdankt seinen Namen einem historischen Salzmagazin, das Mitte des 19. Jahrhunderts direkt am Kanal entstand. Später siedelten sich zahlreiche Industrieunternehmen an, darunter Siemens, verschiedene Chemiebetriebe und Unternehmen der Automobilindustrie. Viele der damals errichteten Gebäude prägen das Quartier bis heute. 

Anders als an vielen anderen Standorten wurde die industrielle Vergangenheit jedoch nicht verdrängt. Zahlreiche historische Gewerbebauten stehen unter Denkmalschutz und werden weiterhin genutzt. So entsteht ein Stadtbild, das Geschichte sichtbar macht und zugleich Raum für neue Nutzungen schafft.

Weshalb zählt der Standort zu den wichtigsten Forschungsadressen Berlins?

Rund um den Ernst-Reuter-Platz entstand auf Initiative der Technischen Universität Berlin, der Universität der Künste Berlin und des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf der Campus Charlottenburg – eines der größten zusammenhängenden innerstädtischen Wissenschafts- und Universitätsareale Europas. Ziel war und ist es, Wissenschaft, Kunst, Wirtschaft, Politik und Stadtgesellschaft an einem gemeinsamen Standort zu vernetzen.  

Neben den Hochschulen bilden heute zahlreiche Einrichtungen wie die Deutsche Oper Berlin, die Physikalisch-Technische Bundesanstalt, die Telekom Innovation Laboratories (T-Labs) sowie mehrere Fraunhofer-Institute ein einzigartiges Innovationsnetzwerk.  

Geforscht wird an Zukunftsthemen wie Mobilität, Energie, Gesundheit, Automatisierung und Digitalisierung. Einrichtungen wie das Charlottenburger Innovations-Centrum (CHIC) und Science & Startups unterstützen zudem den Transfer von Forschungsergebnissen in die Wirtschaft. 

Die besondere Stärke des Standorts liegt in seiner Nähe zwischen Forschung und Anwendung. Neue Ideen bleiben nicht auf dem Campus, sondern finden oft direkt vor Ort ihren Weg in Unternehmen, Start-ups und praktische Anwendungen.

Warum zieht die Spreestadt Unternehmen unterschiedlichster Branchen an?

Während viele Stadtquartiere entweder Arbeitsort oder Wissensstandort sind, vereint Charlottenburg beides auf engem Raum. 

Die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin produziert seit 1872 Porzellan an ihrem Standort in Charlottenburg, unweit des S-Bahnhofs Tiergarten, und zählt damit zu den ältesten Industriestandorten der Hauptstadt. Porzellan wurde früher nicht umsonst als „weißes Gold“ bezeichnet. Seine Herstellung galt über Jahrhunderte als streng gehütetes Wissen, und hochwertige Stücke waren begehrte Luxusgüter. Im KPM-Quartier entsteht noch heute die traditionsreiche Handwerkskunst „Made in Berlin“. 

Mercedes-Welt. Mercedes-Benz ist seit 1915 in Charlottenburg ansässig und steht damit für die langjährige Verbindung des Standorts zur Berliner Automobilwirtschaft. Neben Ausstellungsflächen bietet sie Werkstatt-, Service- und Beratungsangebote und trägt damit zur wirtschaftlichen Dynamik und Sichtbarkeit des Quartiers weit über die Branche hinaus bei. 

Auch die GSG Berlin ist als bedeutendster privater Büro- und Gewerbeflächenvermieter mit mehreren historischen Höfen im Kiez vertreten, darunter die Gebauer Höfe in der Franklinstraße 9–15 a. Sie entstanden im 19. Jahrhundert als Produktions- und Verwaltungsgebäude für die Bleicherei und Maschinenfabrik des Industriellen Friedrich Gebauer.  

Ein weiteres Beispiel ist das weitläufige Industriedenkmal in der Helmholtzstraße 2–9, wo einst Siemens & Halske und später Osram Glühlampen produzierten. Heute finden dort Unternehmen aus den Bereichen Technologie, Kreativwirtschaft, Architektur und Dienstleistung Flächen mit industriellem Charme – von rund 70 Quadratmeter großen Büroeinheiten bis zu 700 Quadratmeter großen Gewerbeflächen ist alles dabei. Mit seiner markanten fünfgeschossigen Ziegelfassade samt erhaltenem Schornstein, großzügigen Fensterflächen und hohen Decken zählt das Baudenkmal am Charlottenburger Spreebogen zu den architektonischen Wahrzeichen des Quartiers. In der Umgebung bieten zahlreiche Cafés und Restaurants sowie die nahen Spazierwege am Spreeufer eine angenehme Atmosphäre.

Kann ein Gewerbestandort gleichzeitig Erholungsort sein?

Definitiv. Einer der größten Standortvorteile der Spreestadt Charlottenburg liegt direkt vor der Tür: das Wasser. 

Entlang von Spree und Landwehrkanal führen attraktive Uferwege durch das Quartier. Mitarbeitende können ihre Mittagspause am Wasser verbringen, joggen gehen oder den Arbeitstag bei einem Spaziergang ausklingen lassen. Gleichzeitig sorgen die Grünflächen entlang der Ufer für eine hohe Aufenthaltsqualität mitten in der Stadt. 

Gerade in einer Zeit, in der Unternehmen verstärkt auf attraktive Arbeitsumgebungen achten, gewinnt die Verbindung aus urbanem Arbeiten, guter ÖPNV-Anbindung und unmittelbarer Naturnähe zunehmend an Bedeutung. Die Qualität eines Standorts bemisst sich längst nicht mehr allein an Verkehrsanbindung und Quadratmeterpreis. Ebenso wichtig ist die Frage, wie angenehm sich der Arbeitsalltag vor Ort gestalten lässt.

Weshalb zieht es Unternehmen genau hierher?

Die Spreestadt zeigt, wie zukunftsorientierte Stadtentwicklung funktionieren kann. Hier entstehen vielfältige Stadträume mit Arbeitsplätzen, Forschung, Produktion, Kultur und Naherholung. Historische Industriearchitektur bleibt erhalten, Wissenschaft und Wirtschaft arbeiten eng zusammen, und Unternehmen profitieren von einem Umfeld, das Innovationen begünstigt. 

Gleichzeitig sorgen die Wasserlagen und öffentlichen Räume für eine hohe Lebens- und Aufenthaltsqualität. 

Für Unternehmen bedeutet das: kurze Wege, Zugang zu Fachkräften, ein inspirierendes Umfeld und Flächen mit Geschichte. Die Spreestadt Charlottenburg zeigt beispielhaft, wie ein moderner Wirtschaftsstandort aussehen kann: innovativ, produktiv und zugleich lebenswert.

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Michael Mandla
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