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Vom Werk zur Wand: So erklimmt ELEKTRA den Industriehof

Wer in Berlin nach freien Flächen für eine Boulderhalle sucht, ist auf der Suche nach der sprichwörtlichen Nadel im Heuhaufen. Es braucht viel Höhe, ausreichend Platz, eine gut erreichbare Lage und im Idealfall den passenden Vibe. ELEKTRA hat genau das in die Tat umgesetzt: Im GSG-Hof Amperium am Humboldthain. 

Ursprünglich hatte Lucas Stock, der Geschäftsführer der ELEKTRA GmbH, ein anderes GSG-Objekt im Blick. Als das nicht passte, besuchte er im Mai 2024 zum ersten Mal dieses Alternativangebot und war gleich angetan: „Über sechs Meter Deckenhöhe, eine unverwechselbare Industriearchitektur und eine super zentrale Berliner Lage – das ist wie ein Sechser im Lotto. Wir hatten von Anfang an Bock, das geschichtsträchtige Gebäude mit neuem Leben zu füllen“, erinnert sich Stock. 

Das war auch der Grund, warum die zweite Geschäftsführerin Laura Obst schnell mit an Bord kam. Beide haben schon mehrere Boulderhallen eröffnet und wussten, dass diese Aura etwas Besonderes ist.

Foto: Vic Harster
Elf Tonnen Steine und ein klarer Plan

Denn: Die drei direkt nebeneinanderliegenden Flächen ließen sich zusammenschließen und ergaben so eine ausreichend große Grundfläche von fast 2.000 Quadratmetern.   

„Letztendlich hat uns die Dreiteilung sogar inspiriert. Denn aus den Teilflächen sind nun ganz natürlich ein Kinderbereich, ein Jugendbereich und zwei große Erwachsenenhallen zum Bouldern entstanden. Das gibt es in der Hauptstadt kein zweites Mal. Gang und gäbe ist eigentlich eine durchgehende, riesige Halle. Diese Dreiteilung ist also unser USP.“ 

Den kompletten Rückbau und Ausbau hat das Team selbst übernommen. Dabei wurden viele Zwischenwände und rund elf Tonnen Sandstein entfernt, immer in enger Abstimmung mit dem Denkmalamt und der GSG Berlin. 

Der Bauantrag wurde gemeinsam mit dem Architekturbüro Linie Kreuzfeld erstellt, der Innenausbau erfolgte in Zusammenarbeit mit erfahrenen Boulderhallenbauern. Am 6. Januar 2025 bekamen wir den Schlüssel. Danach ging alles sehr schnell. Im Juli 2025 wurde die Eröffnung gefeiert.

Drei Hallen, ein Flow

Das ELEKTRA ist offen, hellklar strukturiert und gleichzeitig alles andere als fertig im klassischen Sinne. Vieles ist im Prozess entstanden, manches hat sich erst im Alltag bewährt. „Man merkt sofort, ob sich ein Raum richtig anfühlt“, sagt Laura Obst. „Hier haben wir nicht einfach eine Halle gebaut, sondern einen Ort, an dem Menschen bleiben wollen.“ Das Team zählt heute 22 Mitarbeitende. Viele von ihnen kommen aus der Boulder-Community, viele haben sich initiativ beworben. Der Alltag ist geprägt von Kursen, freiem Bouldern, Begegnung und Routinen, die sich gerade einspielen.

Bouldern ist ein Community-Sport

„Jede Boulderhalle bildet ihre eigene authentische Community. Gerade beobachten wir, wie sich auf dem Hof und sogar im umliegenden Kiez mit unserer Boulderhalle ein neuer Treffpunkt entwickelt, der die Umgebung belebt. Das ist echt schön zu sehen“, sagt Laura Obst. 

Am Bouldern liebt sie vor allem, dass der Sport niedrigschwellig, intuitiv und offen ist. Man könne allein oder in der Gruppe kommen, ehrgeizig trainieren oder einfach nur da sein. 

„Mittlerweile besuchen uns tagsüber Menschen aus den umliegenden Büros, weil sich herumgesprochen hat, dass wir besonders guten Kaffee haben“, erzählt sie weiter. Abends füllt sich die Halle dann mit Nachbar:innen, Studierenden und Stammgästen. Dort, wo früher nach Feierabend alles dunkel war, brennt jetzt bis 23 Uhr das Licht.

Fotos: Vic Harster

Ein Name mit Geschichte

Auch der Name „ELEKTRA“ ist eng mit dem Ort verbunden. Der AEG-Hof trug einst ein Logo mit der Figur Elektra. Diese historische Referenz hat das Team bewusst aufgegriffen. 

„Wir wollten keinen austauschbaren Namen“, erklärt Lucas Stock. „Elektra verbindet die Geschichte des Ortes mit dem Sport und mit dem, was hier passiert. Im Bouldern selbst gibt es nämlich den Begriff „Electric Climbing“.“ 

Dabei geht es um Spannung, Dynamik und präzise Bewegung. Der Name passe daher, ohne erklärt werden zu müssen.

Industriehof neu gedacht

Für ELEKTRA war die Zusammenarbeit mit der GSG Berlin, dem führenden Anbieter von Büro- und Gewerbeflächen in der Hauptstadt, ein entscheidender Faktor. Von der frühen Prüfung der Flächenzusammenlegung bis zur Begleitung während der Bauphase fühlte sich das Team unterstützt. 

„Gerade bei so einem Projekt ist es wichtig, dass auf der anderen Seite Menschen sitzen, die mitdenken. Das hat hier wirklich den Unterschied gemacht“, betont Lucas Stock. 

Heute zeigt ELEKTRA, wie aus einem historischen Industriehof ein neuer Community-Space für Bewegung und Begegnung im Kiez werden kann. Eine Boulderhalle, die nicht nur in einen Raum gezogen ist. Sie schreibt ihn weiter.

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