Bis zu 800 Mitarbeiter arbeiteten in den goldenen Zeiten in den AQUA-Höfen. Sie fertigten Armaturen, verpackten und verluden sie. Auch wenn diese Zeiten schon lange vorbei sind, so erzählt das Kopfsteinpflaster der Ritterstraße bis heute vom „Rollkutscher- & Exportviertel“ von damals. Die kleine Straße entwickelte sich zum internationalen Drehkreuz für den Überseeexport.

1898 wurden die denkmalgeschützten Klinkerbauten nach Entwürfen des Architekten und Regierungsbaumeister George Lewy von der Armaturenfabrik Bernhard Joseph AG errichtet. Nach der Fusionierung im Jahr 1926 mit der Metallwaren- und Lampenfabrik F. Butzke und Co. zog man gemeinsam in das rot-gelbe Backsteingebäude. Nur wenige Jahre später musste der Komplex seine Stärke beweisen und dem zweiten Weltkrieg standhalten. Während das Vorderhaus komplett zerstört wurde, blieb der hintere Bereich mit der einprägenden Innenhoffassade bestehen und bildete das neue Kernstück der AQUA-Höfe. Allerdings verlor das Grundstück durch provisorische Instandsetzung nach dem Krieg und die Lage im Mauerstreifen lange seinen Reiz für die Berliner Wirtschaft.

Das Warenzeichen „AQUA“ entstand 1977 durch die Umfirmierung der Butzke-Werke und hat sich bis heute im Namen der AQUA-Höfe eingeprägt. Im Jahr 1997, nach dem Auslaufen der Produktion, fiel das Areal in einen erneuten Dornröschenschlaf. Der Schriftzug „AQUA Butzke-Werke AG“ bröckelt mit dem Putz und die Höfe verkamen zu einer der kargsten Ecken in Kreuzberg.

Aber Totgesagte leben länger, das Herz des Grundstücks begann erneut zu schlagen – die internationale Anziehungkraft Berlins und dem Aufbruch nach der Wende sei Dank. Bereits vor die Behörden ihre Freigabe erteilten, erweckten Künstler das Areal wieder zum Leben – Eine Pionierleistung der Berliner Gründerszene.

Die GSG Berlin kaufte den Komplex 2014 und nahm sich seiner unter den Namen „AQUA-Höfe“ an. In den vergangenen Jahren hat sich das Bild der Clubs, Bars, Startup- & Kreativszene zwar gewandelt, geblieben ist der unbändige Geist auf unkonventionelle Art Neues zu schaffen und zu erhalten. Die Ritterstraße und die Höfe sind gefragt wie in den goldenen Zeiten.

Nun wird das Areal erweitert und findet seinen Weg in das 21. Jahrhundert: Dabei schlägt das Herz eines jeden Architekten höher. Nicht nur der Umbau des ehemaligen Stahllagers zur Tanzschule der Flying Steps Academy setzte ein spürbares Signal, auch die Aufstockung auf das provisorische Dach samt Ausbau des Dachgeschosses findet im Einklang mit den Plänen der früheren Bauherren statt.

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